Psychisch gesund bleiben in ungesunden Zeiten – Kompetenzen im Umgang mit der Polykrise
Normalitätsdämmerung
Leben wir in einem Zeitalter der Normalitätsdämmerung? Einer Zeit des schleichenden Verschwindens von Selbstverständlichkeiten, die unser Leben lange geprägt haben? In der immer weniger der „zwanglose Zwang des besseren Argumentes (Habermas 1991: 123) als die unverschämteste Falschbehauptung gewinnt? In der sich Autoritarismus und Nationalismus wieder ausbreiten und offene Gesellschaften ablösen? In der wir – in einer „Apokalypse-Blindheit‘ (Anders 1956/2009: 233) – wider besseren Wissens zur Zerstörung unser ökologischen Lebensgrundlagen beitragen? Vermutlich kommen uns solche kulturpessimistischen Gesellschaftsdiagnosen zu leicht über die Lippen. Allzu schnell drängt sich der Eindruck auf, in einer Gesellschaft im Niedergang zu leben – in besonders dekadenten, dummen und krisengeschüttelten Zeiten. Dabei gab es gesellschaftliche Krisendiagnosen und Endzeitgefühle zu allen Zeiten. Doch schon Sigmund Freud warnte in seinen kulturkritischen Äußerungen vor der Überhöhung gegenwärtiger Krisen: „[W]ahrscheinlich empfinden wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark und haben kein Recht, es mit dem Bösen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt haben“ (Freud, 1915/1924: 3f). Bei aller Vorsicht dürfen wir jedoch nicht übersehen, dass wir – zumindest im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten – in besonderen Zeiten leben. Lawrence und Mitarbeiter:innen (2024) diagnostizieren eine „Polykrise“ – eine „kausale Verflechtung von Krisen in mehreren globalen Systemen in einer Weise, die die Aussichten der Menschheit erheblich verschlechtert“. Neben der Menge und Gleichzeitigkeit der Krisen stellen auch die komplexen Wechselwirkungen zwischen ihnen eine Besonderheit dar: Rechtspopulist:innen gefährden beispielsweise nicht nur die offenen Gesellschaften, sondern auch das Klima. Zugleich kommt es bei einer weiter eskalierenden Krise zu mehr Migration, was rechtspopulistische Entwicklungen begünstigt. Viele Dinge, die wir – zumindest in unserem Land – lange als selbstverständlich betrachtet haben, sind es nicht mehr. Lange Undenkbares gelangt wieder in den Bereich des Möglichen, etwa die Regierungsbeteiligung einer rechtsextremen Partei in Deutschland. Das Gefühl einer Normalitätsdämmerung ist vielleicht doch nicht so fehlgeleitet. In Zeiten einer solchen Polykrise kann es eine große Herausforderung sein, psychisch gesund zu bleiben. Studien weisen etwa hin auf mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit durch die Klimakrise (Brakemeier et al. 2024) sowie durch Kriege (Jain et al., 2022). Auch der Aufstieg rechtsextremer Parteien und ihres von Negativität erfüllten Gedankenguts ist gefährlich für unser psychisches Wohlbefinden: „Hass, Hetze, Rassismus und Diskriminierung machen psychisch krank“ (Psychotherapeutenkammer NRW 2024, vgl. auch Yang et al. 2024; Adena & Huck 2024). Gesellschaftliche Krisen können psychische Belastungen verursachen oder bestehende Erkrankungen verschärfen
Erweiterter Gesundheitsbegriff – Eupsychia und Dyspsychia
Was bedeutet es, in ungesunden Zeiten psychisch gesund zu sein? Eine enge Definition versteht Gesundheit nur als Abwesenheit von Krankheit. Das Zwei-Faktoren-Modell der psychischen Gesundheit (Wang et al. 2011) ergänzt diese Sicht um einen weiteren Aspekt: die Anwesenheit positiver Gesundheitsfaktoren. Diese beiden Faktoren können zusammenfallen, müssen es aber nicht: Jemand kann trotz psychischer Erkrankung ein erfülltes Leben führen, während es einem anderen trotz fehlender Erkrankung an Wohlbefinden mangelt. In Zeiten der Polykrise lässt sich hier ein dritter Faktor ergänzen: das aktive Bemühen von Menschen, ihre sozial-ökologische Umwelt gesundheitsfördernd zu gestalten. Dieser Faktor trägt dem Umstand Rechnung, dass die meisten kollektiven Krisen von Menschen verursacht sind und sich folglich auch durch menschliches Handeln überwinden lassen. Im etablierten „biopsychosozialen“ Modell psychischer Gesundheit (Engel 1977) wird bereits der Tatsache Rechnung getragen, dass auch die sozialen Umstände eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden spielen. Hierbei umfasst die soziale Dimension nicht nur den mikrokosmischen Bereich – Familie, Freund:innen, Nachbar:innen –, sondern auch den makrokosmischen: die Gesellschaft und die eigene Rolle als (Welt-)Bürger:in. Mehrere Autor:innen (z. B. Dohm et al, 2024; Stineman & Streim 2010) regen an, das Modell um eine ökologische Dimension zu einem ‚bio-psycho-sozial-ökologischen‘ Gesundheitskonzept zu erweitern – im Bewusstsein, dass die natürliche Umwelt die Grundlage unserer Existenz bildet und damit Voraussetzung für körperliches wie psychisches Wohlbefinden ist. Das vorgeschlagene Drei-Faktoren-Modell (Abb. 1) beschreibt psychische Gesundheit als Dreiklang aus Krankheitsfreiheit, subjektivem Wohlbefinden und einem aktiv gesundheitsfördernden Verhältnis zur sozial-ökologischen Umwelt. Während die ersten beiden Faktoren primär das innere Erleben betreffen, hebt der dritte die Bedeutung des eigenen Handelns für eine gesunde Um- und Mitwelt hervor, was wiederum gesundheitsfördernd auf das Individuum zurückwirkt.

Abb.1 – 3 Faktoren-Modell psychischer Gesundheit
Vor dem Hintergrund des Drei-Faktoren-Modells lässt sich eine Person vorstellen, die zwar keine manifeste psychische Störung hat und sich in ihrer Gesellschaft wohlfühlt, gleichzeitig aber zulässt oder aktiv dazu beiträgt, dass diese – als Grundlage ihrer psychischen Gesundheit – sich verschlechtert und sowohl der eigenen als auch der Gesundheit anderer schadet. Ebenso lassen sich Menschen vorstellen, deren Wohlbefinden beeinträchtigt ist, etwa durch Ängste vor einer Klimakatastrophe – die jedoch den dritten Faktor besonders stark verwirklichen, indem sie sich aktiv für den Erhalt der Lebensgrundlagen und der Grundlagen psychischer Gesundheit einsetzen. In dieser Hinsicht handeln sie sehr gesund. Dieser dritte individuelle Gesundheitsfaktor kann konsistent sein mit der Struktur der Gesellschaft (wenn die Gesellschaft Umweltschutz hochhält und ihre demokratischen Strukturen aktiv schützt) oder auf eine Gesellschaft treffen, die selbst nicht „gesund“ ist. Erich Fromm (1955/2015) vertrat die Idee, dass eine Gesellschaft gesund ist, die das Wohlbefinden ihrer Mitglieder unterstützt und deren physiologische sowie psychische Bedürfnisse erfüllt. Ganz ähnlich träumte der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow von „Eupsychia“ – einer gesunden Gesellschaft aus psychisch gesunden, selbstverwirklichten Menschen (Maslow,1961). Analog zu Maslow könnte man bei einer Gesellschaft, die der psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder schadet, von einer „Dyspsychia“ sprechen. Befunde weisen hier beispielsweise darauf hin, dass sich die Art des Regierungssystems auf die Befindlichkeit auswirkt: Offene, demokratische Gesellschaften (vgl. Popper 1977) wirken sich positiver auf die psychische Gesundheit aus (Prati 2022).
Die 10 Kompetenzen
Im Folgenden werden Kompetenzen vorgestellt, die Menschen dabei unterstützen können, den dritten Gesundheitsfaktor zu verwirklichen. Sie tragen zugleich zu einer Resilienz gegenüber der Polykrise bei, die mehr bedeutet als bloße Widerstandsfähigkeit, sondern das aktive Mitwirken an Prävention und Transformation einschließt. Es geht nicht nur darum, akute Gesellschaftskrisen zu managen, also „Feuer zu löschen“, sondern auch darum, krisenhafte Entwicklungen zu verhindern, gesundheitsförderliche Bedingungen zu schaffen und sich gegen demokratiefeindliche Brandstifter:innen zur Wehr zu setzen (vgl. Peter & Niessen 2022).
Die vorgestellten Kompetenzen bedingen und begrenzen einander und müssen in einem dynamischen Gleichgewicht gehalten werden: Zuviel „Eigen-Sinn“ kann in Egozentrismus umschlagen, weshalb „Gemein-Sinn“ als ausgleichende Kompetenz wirken kann. Das Zusammenspiel der Fähigkeiten lässt sich als Mobile darstellen (A. Mankowsky, pers. Mitteilung; Abb. 2).

Abb. 2 – 10 Kompetenzen
Die Kompetenzen tragen die Nachsilbe „-Sinn“, um Assoziationen zu unseren Sinnen zu wecken (vgl. Assmann/Assmann 2024). So wie wir lernen können, besser hinzuhören oder hinzusehen, können wir auch diese „Sinne“ aktiv schärfen. Die Philosophin Martha Nussbaum (1999) sieht die Verantwortung für die Entwicklung solcher Fertigkeiten nicht nur bei den Bürger:innen selbst, sondern auch beim Staat, der die nötigen Rahmenbedingungen bereitstellen sollte.
1.Eigen-Sinn
In krisengeschüttelten Zeiten ist es hilfreich, bei sich selbst anzufangen. Der Mensch im Spiegel ist der Startpunkt. Ein geschärfter Eigen-Sinn unterstützt uns dabei, unser Leben authentisch und selbstbestimmt zu gestalten. Gemeint sind hier emotionale Kompetenzen, die uns ermöglichen, die Bandbreite unserer Gefühle wahrzunehmen und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Gefühle weisen uns auf erfüllte oder frustrierte Bedürfnisse hin und statten uns mit Energie aus, im Sinne dieser zu handeln. Wer Gefühle bewusst wahrnimmt, reagiert weniger impulsiv und bleibt selbstbestimmter. Ohne Kontrolle können Gefühle jedoch überschießen und kurzfristige Belohnung oder Affektabfuhr über langfristige Vernunft stellen. Nachvollziehbare Ohnmachtsgefühle können uns lähmen und blind gegenüber Handlungsoptionen werden lassen (vgl. Brailovskaia/Teismann 2024). Wut kann uns die Energie für gesellschaftliches Engagement verleihen (Stanley et al. 2021), kann uns in unkontrollierter Form aber auch in einen kämpferischen Sog ziehen, in dem wir andere verletzen. Angst hilft uns, gefährliche Situationen zu meiden, kann uns jedoch in überzogenem Ausmaß dazu bringen, vor der bedrohlichen Realität zu fliehen – z. B. durch Nachrichtenvermeidung (Toff/Nielsen 2022). Wir sollten ein Gespür für unsere psychologischen Bedürfnisse entwickeln und für das, welche Wirkungen globale Krisen auf sie haben. Die Erfüllung unserer Bedürfnisse sorgt für unser Wohlbefinden (Ryan/Deci 2017). Zugleich sind sie aber auch Andockstelle für Manipulation und stellen somit auch Vulnerabilitäten dar.

Abb. 3 – Bedürfnisebenen
Zentral sind unsere existenziellen Bedürfnisse: Wir wollen erst einmal buchstäblich überleben, die Existenz von uns und unseren Nahestehenden sichern, gesund bleiben, eine sichere Arbeitsstelle haben, eine Wohnung. Themen, die um dieses Bedürfnis kreisen, stehen hoch in der Angsthierarchie der Deutschen (R&V, 2024). Wir wollen aber auch, dass unsere individuelle und unsere kollektive Identität, unsere Kultur, „überleben“(vgl. Becker 1973; Routledge/Vess 2018). Auf Bedrohungen dieser symbolischen Überlebensprojekte reagieren wir mitunter ebenso empfindlich wie auf Bedrohungen unserer körperlichen Unversehrtheit: Wir können uns z.B. von der fremden Kultur von eingewanderten Menschen bedroht fühlen. Hinzu kommen epistemische Bedürfnisse, also danach die Welt zu verstehen und nachzuvollziehen, was um uns herum geschieht. Politische Ideologien erfüllen solche Bedürfnisse, indem sie uns Deutungsrahmen und Erklärungsmuster bereitstellen, mit denen wir die Welt interpretieren können (Rothmund/Walther 2024). Populistische Parteien machen es uns hier mit ihren Simplifizierungen besonders leicht, wirken hier wie „Fast Food“ für unser Verlangen nach Orientierung, wenn sie z.B. das „echte Volk“ einer abgehobenen „Elite“ gegenüberstellen. Das zentrale menschliche Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit kann in Krisenzeiten auf unterschiedliche Weisen frustriert werden, etwa durch Fluchterfahrungen oder pandemiebedingte Kontaktbeschränkungen. Auch soziale Konflikte oder das Gefühl der Isolation auch in Bezug auf seine krisenbezogenen Gefühle („Ich bin die Einzige, die vom Klimawandel belastet ist“; vgl. Budziszewska/Jonsson 2022) können eine Frustration darstellen. Dann streben wir nach Selbstbestimmung und Freiheit. Dabei unterscheidet man negativer Freiheit (sich von Zwängen befreien, z.B. „Ich lasse mir mein Schnitzel nicht verbieten!“) und positiver (authentische Werte und Bedürfnisse verwirklichen). Freiheit kann sich sowohl als Möglichkeit zur Mobilität zeigen als auch im Recht, an einem gewünschten Ort zu bleiben (Redecker,2023). Wir können uns aber auch als selbstbestimmt erleben, wenn wir unseren Werten entsprechende Regeln akzeptieren, z.B. ein Tempolimit. Ein erfülltes Bedürfnissystem kann wie ein Schutzschild der Resilienz wirken: Wullenkord (2020) konnte zeigen, dass Menschen mit erfüllten Bedürfnissen seltener zu Verleugnungsstrategien bei der Konfrontation mit Klimafakten reagieren.
2. Komplexitäts-Sinn
Die Wirklichkeit macht es uns nicht allzu leicht, uns einen Reim auf sie zu machen. Hilfreich ist es, die Kompetenz zu besitzen, mit Vielfalt, Unsicherheiten und Widersprüchen konstruktiv umzugehen und sie auszuhalten. In Krisenzeiten überschwemmen uns mehrdeutige Informationen und widersprüchliche Botschaften – eine regelrechte „Infodemie“ (WHO 2022). Ein Konzept zur Beschreibung des Aushaltens von Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten ist die ‚Ambiguitätstoleranz‘ (Frenkel-Brunswik 1949; Lauriola et al. 2016). „Als Gegenpol zur Ambiguitätstoleranz lässt sich das Konzept des „Need for Cognitive Closure“ (Kruglanski 2004) verstehen: ein Bedürfnis nach Abgeschlossenheit und Widerwillen gegenüber offenen Fragen und Situationen. In der Unsicherheit der COVID-19-Pandemie erlebten Menschen mit hohem NFCC mehr Stress und Angst (White 2022). Personen mit einem hohen NFCC-Wert neigen aufgrund ihres Wunsches nach schneller Kategorisierung zu stereotypen Vorurteilen (Kruglanski et al. 2006; Albarello et al. 2023). In einer vielfältigen Welt wäre es hilfreich, unser Bedürfnis nach Geschlossenheit zu zähmen und zu lernen, Vielstimmigkeit, Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten auszuhalten.
Uns zu empfehlen ist ein komplexes Menschenbild, das sowohl positive als auch negative Eigenschaften einbezieht. Menschen nur aufgrund von Partei- oder anderen Gruppenzugehörigkeiten zu be- und verurteilen ist problematisch. Wir benötigen in von Zerrissenheit geprägten Zeiten dialektisches Denken (Lewis et al. 2020) – mehr „Sowohl-als-auch“ als „Entweder-oder“. Vielleicht müssen wir auch unsere liebgewonnene Illusion von einer gerechten Welt aufgeben (Lerner, 1980). Wer an diesem Ordnung und Sicherheit vermittelnden Glauben festhält, neigt unter anderem dazu, globale Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen (García-Sánchez et al. 2022).
In Zeiten rapiden Wandels benötigen wir Veränderungsakzeptanz. Menschen, Situationen und wissenschaftliche Erkenntnisse können sich verändern und weiterentwickeln. In manchen Momenten mögen wir uns eine „Welt, in der alles still und starr wäre und jedes Ding seinen letzten Platz hätte“ (Beckett, 1957/1995: 135) wünschen, aber steter Wandel gehört zum menschlichen Leben.
3.Wirklichkeits-Sinn
„Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, // des Menschen allerhöchste Kraft, // laß nur in Blend- und Zauberwerken // dich von dem Lügengeist bestärken, // so hab’ ich dich schon unbedingt.“ So bejubelt Mephistopheles in Goethes Faust dessen Preisgabe des wissenschaftlichen Zugangs zur Welt. Auch Populist:innen, Lobbyist:innen, Verschwörungserzähler:innen und andere Akteur:innen wollen uns auf das Feld der Wissenschaftsfeindlichkeit locken, da wir dort leichter zu manipulieren sind. Dagegen hilft uns ein klarer, geschärfter Sinn für die Wirklichkeit. Hannah Arendt (2019) bezeichnet die Vernunft als „das Organ für das Vernehmen der Wahrheit“ (60). Diese ermögliche am ehesten die Annäherung an die absolute – von Meinungen und Befindlichkeiten unabhängige – Wahrheit. Unsere Vernunft wird wohl am besten in der Welt der Wissenschaft diszipliniert, etwa durch Peer-Review-Prozesse, in denen Fachleute sich gegenseitig auf blinde Flecken und Fehler hinweisen. Gerade gegen wissenschaftsfeindliche Strömungen in Krisenzeiten kann ein Grundverständnis davon, wie Wissenschaft arbeitet, helfen. Um vernünftige Diskussionen über politische Handlungen zu führen, sollte es ein Fundament geteilter Fakten geben; dieses „inspiriert […] das Denken und hält die Spekulation in Schranken“ (Arendt 2019: 58). An diesem Fundament rütteln rechtspopulistische Erzählungen, Esoterik und Verschwörungsmythen und stellen damit eine erhebliche Gefahr für die Demokratie dar, die eine vernünftige Gesprächsgrundlage benötigt: „Was dann auf dem Spiele steht, ist die faktische Wirklichkeit selbst, und dies ist in der Tat ein politisches Problem allererster Ordnung“ (Arendt 2019: 55). „Söldner des Zweifels“ (Oreskes/Conway, 2010) säen im Auftrag fossiler Interessen (vgl. Götze/Joeres 2020) gezielt Zweifel an etablierten Erkenntnissen zum Klimawandel und versuchen gesellschaftliche Diskurse zu manipulieren (Lamb et al. 2020) um ihr profitables Geschäftsmodell zu sichern. Autoritäre Herrscher setzen Lügen ein, um Ressentiments zu schüren. Verschwörungserzählungen können eine willkommene Alternative zur komplexen Realität bieten, unter anderem weil sie das Gefühl der Kontrolle und der eigenen Einzigartigkeit erhöhen können (Imhoff/Lamberty 2017). Die Kenntnis von Manipulationsstrategien unseres Wirklichkeitssinns kann wie eine psychische „Impfung“ wirken (van der Linden et al. 2017): Wenn wir verstehen, welche Taschenspielertricks verwendet werden, fallen wir nicht mehr so leicht auf diese herein. In einer Zeit des medialen Überangebots an Informationen – richtigen wie falschen – ist Medienkompetenz entscheidend für den Wirklichkeitssinn. Sie umfasst auch die Fähigkeit, seriöse von fragwürdigen Medien zu unterscheiden und Parteilichkeit von Medien zu reflektieren, bis hin zum Erkennen von Desinformationskampagnen (vgl. Progressives Zentrum 2024). Es ist zudem wichtig, auch in seriösen Medien Fehler und Verzerrungen zu erkennen. Dazu gehören Mechanismen wie Framing (Wehling 2017), also der Bedeutungsrahmen, in den Fakten eingebettet werden (z.B., mit lebensfrohen Freibadbildern illustrierte Hitzerekorde). Hinzu kommt der „False Balance“-Effekt (Koehler 2016), bei dem etwa in einer Talkshow eine Klimawissenschaftlerin einem klimawandelleugnenden Rechtspopulisten gegenübergestellt wird, womit der falsche Eindruck erweckt wird, beide Positionen seien gleichermaßen ernstzunehmen. Entscheidend ist auch, die eigene Medien- und Informationsdiät selbstbestimmt zu gestalten und den Seiltanz zwischen Nachrichtenvermeidung (Andersen et al. 2024) und „Doomscrolling“, also dem suchtartigen Konsum negativer Nachrichten (Shabahang et al. 2024) zu meistern. Die aufklärerische Forderung Immanuel Kants, „mündig“ zu sein und den Mut zu haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen(Kant 1784), sollte nicht zu Übermut verleiten: Wir können nicht alles wissen oder selbst recherchieren, wir sind auf andere Menschen angewiesen. Wir brauchen sogenanntes „Epistemisches Vertrauen“ (Brauner et al 2023) in Expert:innen und Institutionen, um uns über die Wirklichkeit zu informieren. Vertrauen und Misstrauen können beide die Komplexität der Wirklichkeit reduzieren (Luhmann, 1968/2014), manchmal zu sehr. Es bleibt ein Balanceakt zwischen übersteigertem Zweifel und blauäugigem Vertrauen (vgl. Brauner et al. 2023).
4.Distanzierungs-Sinn
Es fällt uns deutlich schwerer, unsere eigenen blinden Flecken und Voreingenommenheiten zu erkennen als die anderer. Dieses Phänomen wird auch als „Verzerrungsblindheit“ bezeichnet (Pronin et al. 2002). Die Fähigkeit, uns selbst aus einer kritischen Außenperspektive zu betrachten – ein Distanzierungs-Sinn – gewinnt allerdings in Krisenzeiten an Wichtigkeit. Die Einsicht in unsere eigenen Scheuklappen lehrt uns Demut. Es ist hilfreich, wenn wir nicht nur uns selbst, sondern auch die Gesellschaft, in der wir leben, von außen betrachten können. Nur weil wir sie gewohnt sind, ist unsere Welt nicht automatisch die beste aller möglichen Welten – unser Gesellschaftsmodell ist keineswegs alternativlos. Daher sollten wir die vorherrschende Ideologie unserer Gesellschaft kritisch hinterfragen können. Wir sollten in der Lage sein, die vorherrschende Ideologie unserer Gesellschaft zu reflektieren und die sozialen Normen, die uns oft unbewusst beeinflussen (Cialdini/Jacobson 2021). Ein Gradmesser für unsere Distanzierungskompetenz ist die Fähigkeit über uns und über die Gesellschaft, in der wir leben, zu lachen. Nehmen wir uns selbst und die Gesellschaft, in der wir leben, zu ernst, erscheint das Lachen darüber als Sakrileg. Wenn wir unsere Gesellschaft und uns ironisch betrachten, nehmen wir eine Vogelperspektive ein.
5.Kommunikations-Sinn
Sprache kann so viel sein, sie „dient allen menschlichen Bedürfnissen, sie dient der Vernunft wie dem Gefühl, sie ist Mitteilung und Gespräch, Selbstgespräch und Gebet, Bitte, Befehl und Beschwörung“ (Klemperer 1947/2020). Wir brauchen die Fähigkeit zur Kommunikation, um uns mit anderen Menschen über unsere inneren Welten, über unsere Gefühle und über Fakten auszutauschen. In emotional aufgeladenen Zeiten wird unsere Dialogfähigkeit stark auf die Probe gestellt. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist entscheidend, dass Menschen einander zuhören und ihre Ansichten und Wünsche klar äußern können. Kommunikation ist auch ein zentraler Weg, um Verbundenheit zu spüren. Wir fühlen uns weniger isoliert, wenn wir hören, dass es anderen ähnlich geht. Diese Idee liegt z.B. „Klima-Cafés“ zugrunde, die einen offenen Austausch von Klima-Gefühlen ermöglichen möchten. Es verlangt kommunikativ auch einiges von uns ab, wenn minderjährige Kinder von uns Auskunft über die Krisen unserer Zeit fordern: Wie können wir ehrlich zu ihnen sein, ohne sie zu überlasten? (z.B. Rodenstein et al. 2024). Sprache kann neben diesen positiven Funktionen jedoch auch Barrieren errichten, entmenschlichen und als ideologisches Gift wirken. Wir sollten sensibel sein für Verrohungen in der Sprache – bei anderen, aber auch bei uns selbst. Der Literaturwissenschaftler Viktor Klemperer (1947/2020) vertrat die Ansicht, dass Menschen ihr Wesen durch ihre Sprache enthüllen. Bemerkungen wie „solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen“ (ein AfD-Abgeordneter, zit. nach FAZ, 2017) entlarven die menschenverachtende Ideologie des Sprechenden. Sprache ist auch ein Werkzeug der Ideologie, sie aktiviert Gefühle, schafft neue Denkrahmen. Worte können als „winzige Arsendosen“ (Klemperer 1947/2020) wirken, erst scheinen sie keine Wirkung zu haben, doch „nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“ (ebd.). Kommunikationsfähigkeit und die Abwesenheit von Verrohung stellen keine Tabuisierung des Streitens dar. Wir sollten in der Lage bleiben, uns „zivilisiert streiten“ zu können, uns auf andere Meinungen einlassen und gute Gegenargumente ernstnehmen können (Frick 2017).
6.Gemein-Sinn
Der Mensch ist ein soziales Wesen – diese Eigenschaft ist uns tief durch die Evolution eingeschrieben. Wir können kein von anderen Menschen getrenntes Leben führen. Wie Franz Kafka (1903) schrieb: „Untereinander sind [die Menschen] durch Seile verbunden, und bös ist es schon, wenn sich um einen die Seile lockern, und er ein Stück tiefer sinkt als die andern in den leeren Raum…“. Kein Mensch ist eine Insel. Unsere Zivilisation basiert auf den Erfahrungen früherer Generationen. Auch in der Gegenwart sind wir ständig auf andere Menschen angewiesen. Für dieses wechselseitige Aufeinander-angewiesen-sein brauchen wir ein Gespür – den Gemeinsinn (vgl. Assmann/Assmann 2024). Die Hochachtung individueller Freiheit darf nicht zu einer Missachtung der Freiheitsrechte anderer führen. Jean-Paul Sartre meinte, der Mensch sei nicht nur „verantwortlich für seine strikte Individualität, sondern für alle Menschen“ (1946/2010: 150f). Eine Freiheit, die nur als Befreiung von individuellen Beschränkungen verstanden wird und die Freiheit anderer Menschen nicht mitmeint, kann für eine offene Gesellschaft gefährlich werden. Große individuelle Freiheit bringt große Verantwortung für das Kollektiv mit sich. Die Verantwortung für nachfolgende Generationen betonte auch das Bundesverfassungsgericht, als es entschied, dass das Bundes-Klimaschutzgesetz von 2019 verfassungswidrig sei, weil es keine ausreichenden Regelungen für Emissionsziele nach 2030 enthalte. Wir haben nicht die Freiheit, zukünftigen Generationen ihre Freiheit zu stehlen. Für eine Gemeinschaft ist es hilfreich, wenn sich ihre Mitglieder mit Respekt und Mitgefühl begegnen, Solidarität üben und gegenseitig ihre universelle Menschenwürde anerkennen. Im Idealfall sollten wir diese Haltung nicht nur auf die eigene Stadt oder das eigene Land beschränken, sondern ein globales „communal mindset“ (Shapiro/White/Shackleton 2019) entwickeln und uns als Weltbürger:innen verstehen. Das dunkle Gegenstück zu diesem Gemeinsinn ist Tribalismus, ein Denken in „Wir-gegen-Die“- und „Freund-gegen-Feind“- Kategorien, das globale Krisenlösungen erschwert (ebd.). Gemeinsinn bedeutet keine naive „Hippie-Harmonie“, vielmehr ist politischer Streit ein Zeichen gesunder Demokratie. Vertreter:innen anderer demokratischer Parteien sollten aber als politische Gegner:innen und nicht als Feind:innen gesehen werden. Die Möglichkeit, eine universellere Perspektive bei Menschen zu stärken, wird durch eine groß angelegte Studie von Voelkel et al. (2024) untermauert: Interventionen konnten Hass auf Mitglieder gegnerischer Parteien reduzieren, indem sie eine gemeinsame, parteiübergreifende Identität hervorhoben. Eine Haltung des Gemeinsinns sollte eine gruppentranszendierende Menschenfreundlichkeit beinhalten, bei der Menschen unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit würdevoll behandelt werden. Dies steht im Gegensatz zur ‚gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit‘ (Heitmeyer 2002), die Menschen aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten unterschiedlichen Wert zuschreibt. Assmann und Assmann (2024) vertreten die Ansicht, dass Gemeinsinn mehr erfordert als Toleranz; diese habe einen passiven Duldungscharakter, impliziere das bloße Ertragen von Zumutungen. Stattdessen sollten wir unseren Mitmenschen Respekt zollen – eine aktive Haltung, bei der sie nicht nur passiv geduldet, sondern aktiv wertgeschätzt werden.
7. Natur-Sinn
„Take your stinking paws off me, you damned dirty ape!” brüllt Charlton Heston im Film „Planet der Affen“. Die meisten Menschen wollen nicht einfach ein Tier unter Tieren sein. Diese Idee kratzt an der Vorstellung unserer eigenen Besonderheit und erinnert uns an unsere Sterblichkeit (Becker 1973; Goldenberg 2001). Menschen sehen sich oft als abgegrenzt von der Natur und betrachteten sie als Mittel zum Zweck. Wir beuten die Natur aus und zerstören dabei unsere Lebensgrundlage. Diese Sichtweise wird als anthropozentrische Weltanschauung beschrieben (Barragan-Jason et al. 2023). Im Gegensatz dazu steht eine ökozentrische Weltanschauung, die den Menschen als integralen Teil der natürlichen Welt begreift. Hierbei geht es um ein Leben in Harmonie mit der Natur – nicht als Herrscher:innen, sondern als Organismus unter Organismen, mit einem Bewusstsein des Eingebettetseins. Erich Fromm (2025) sprach von „Biophilie“, einer leidenschaftlichen Liebe zum Lebendigen, die uns motiviert, unsere Umwelt zu achten. Die Biophilie-Hypothese geht davon aus, dass Menschen eine angeborene Affinität zur Natur besitzen. Menschen schauen lieber auf Wasser, grüne Vegetation oder Blumen als auf Bauwerke aus Glas und Beton (Kellert/Wilson 1993). Neuere Übersichtsarbeiten (Barragan-Jason et al. 2023) zeigen, dass Erfahrungen von Verbundenheit mit der Natur messbare positive Effekte auf die körperliche und psychische Gesundheit haben. Auch Interventionen wie „Waldbaden“ wirken sich nachweislich positiv auf die psychische Gesundheit aus, insbesondere auf depressive und Angstsymptome (Yeon et al. 2021).
8.Zeit-Sinn
Zeitreisen sind auf physischer Ebene noch Science-Fiction, auf gedanklicher Ebene sind sie Teil unseres Alltags. Unser „episodisches Gedächtnis“ ermöglicht uns Reisen in die Vergangenheit, die „episodische Voraussicht“ in die Zukunft (Perrin/Michaelian 2017). Aus der Vergangenheit können wir Lehren ziehen, um Fehler nicht zu wiederholen. Der Historiker Timothy Snyder (2021) betont: „History does not repeat, but it instructs“ (6). Aus der Analyse totalitärer Systeme leitet er Verhaltensregeln ab, um sich gegen diese zu stellen. Ähnlich verfährt der Historiker Jason Stanley (2024a), der bestimmte Grundstrukturen aus verschiedenen Erscheinungsformen des Faschismus ableitet, z.B. eine Mystifizierung der Vergangenheit und das Instrumentalisieren von Verschwörungstheorien.
Die Kenntnis der Geschichte öffnet auch Denkhorizonte, zeigt auf, dass noch andere Gesellschaftsmodelle möglich sind (Stanley 2024b). Eine faktisch korrekte Erinnerung an die Vergangenheit ist von entscheidender Bedeutung, Geschichtsklitterung kann sich in verschiedenen Formen manifestieren: Von rechten Parteien wird häufig die Nazizeit bagatellisiert oder gar verklärt. Ebenso problematisch kann auch das Heranziehen absurder geschichtlicher Vergleiche sein, womit sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart Unrecht getan wird (z.B. wenn der Verleger des Springerverlags die Bundesrepublik als „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ bezeichnet). Auch mental simulierte Zukunftsszenarien können sich als hilfreich erweisen: Positive Utopien können uns mit Annäherungsmotivation aufladen, wenn sie uns eine gerechtere und gesündere Welt zeigen (Bosone et al. 2024). Der Blick in dystopische Zukünfte kann uns dazu motivieren, diese zu verhindern. Gefährlich können uns unrealistisch optimistische Zeitreisen werden, z.B. das von Mukerji und Mannino (2020) beschriebene „Truthahn-Dilemma“: Ein Truthahn, der bis zur Schlachtreife gemästet wird und die tägliche Erfahrung macht, frisches Futter zu bekommen geht so lange blauäugig davon aus, dass es ewig so weiter gehen wird bis der Bauer ihn eines Tags schlachtet. Als ähnlich illusorisch können sich auch Träume ewigen Wachstums in einer Welt der endlichen Ressourcen erweisen. Statt eines naiven, Tatsachen verkennenden Optimismus benötigen wir realistische, „konstruktive Hoffnung“ (Ojala 2011; Bury et al. 2020; Daysh et al. 2024). Diese Art der Hoffnung bezieht die düstere Gegenwart und die Möglichkeit des Scheiterns mit ein. Positive Zukunftsvisionen, für die wir uns engagieren, können auch unsere eigene Lebensdauer übersteigen: Die Figur Luthen Rael, ein Stratege der Rebellion gegen ein übermächtiges Imperium in der Serie „Andor“, fasst seine Motivation so zusammen: „I burn my life to make a sunrise that I know Ill never see“.
9.Moral-Sinn
„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.“ Viele Menschen sehen in dieser „Goldenen Regel“ eine Universalgrammatik der Moral. Sie taucht seit fast 3000 Jahren in verschiedenen religiösen und philosophischen Texten auf (z.B. in der Bibel, bei Konfuzius, im Talmud) und sie scheint nicht auf eine gemeinsame Quelle zurückführbar zu sein. Ein verwandter Ausdruck dieses Prinzips findet sich bei Immanuel Kant (1785/1870) in seinem kategorischen Imperativ: „[H]andle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (44).In Zeiten, in denen der offenen Gesellschaft feindlich gegenüberstehende Akteur:innen menschenverachtende Erzählungen verbreiten, benötigen wir ein moralisches Gespür, auch für selbstverständlich scheinende grundlegende moralische Werte. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Diese Setzung wird von den meisten Menschen auf der Erde geteilt, sie steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) der Vereinten Nationen. Der Mensch ist kein „Ding“, das mehr oder weniger Wert haben kann – so Kant (1785/1870) – sondern ein mit Würde und Rechten ausgestattetes Lebewesen, ein „Zweck an sich“. Unser moralischer Sinn sollte Alarm schlagen, wenn diese moralische Brandmauer verletzt wird– wenn Menschen ihre Würde entzogen wird oder sie ungleich behandelt werden. Zum Beispiel, wenn Asylbewerber:innen an der Grenze rechtswidrig zurückgewiesen werden oder wenn Ressentiments durch pauschalisierende Erzählungen über Migrant:innen geschürt werden – etwa als zahnarztplatzklauende „Sozialtouristen“. Zu einem differenzierten moralischen Empfinden gehört auch, jenseits des moralischen Konsenses Toleranz gegenüber unterschiedlichen „moralischen Geschmäckern“ zu zeigen: Moral ist keine einfache Entweder-oder-Frage. Der Moralpsychologe Jonathan Haidt (2012) vergleicht unsere Moral mit unserem Geschmacksempfinden. Unsere „moralische Zunge“ verfüge über sechs Geschmacksrezeptoren: Fürsorge, Fairness, Loyalität, Autorität, Heiligkeit/Reinheit und Freiheit. Menschen verschiedener politischer Orientierungen verfügen über unterschiedliche moralische Schwerpunkte (Haidt 2012). Menschen aus dem linken politischen Spektrum legen Wert vor allem auf die Dimensionen „Fürsorge und Gerechtigkeit“, während Konservative zusätzlich auch die restlichen Kategorien wertschätzen. Das Wissen um unterschiedliche moralische Geschmacksvorlieben kann uns davor bewahren, Menschen mit anderen Auffassungen vorschnell als ‚unmoralisch‘ abzustempeln. Hannah Arendt (2006) betont die Wichtigkeit der Selbstbefragung bei moralischen Fragestellungen. Wir sollten uns nicht auf externe Normen oder Befehle herausreden, sondern unser eigenes Gewissen zu unserem Handeln konsultieren. Die schlimmsten Verbrechen wurzeln nach Arendt in einer moralischen Gedankenlosigkeit, „von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein“ (2006: 101), die sich selbst keine Rechenschaft gegenüber abgeben.
10. Gestaltungs-Sinn
„Handelnd und sprechend offenbaren die Menschen jeweils, wer sie sind, zeigen aktiv die personale Einzigartigkeit ihres Wesens“ (Arendt 2019). Menschen brauchen die Fähigkeit, aber auch die Bereitschaft, ihre Freiheit zum Wohle der Gemeinschaft einzusetzen – einen Gestaltungssinn. Dazu brauchen wir auch das Gefühl, dass unser Handeln einen Unterschied macht, ein Gefühl der Wirksamkeit (Fritsche 2024). Im Angesicht globaler Krisen kann sich leicht Ohnmacht einstellen. Besonders die individuelle Wirksamkeit scheint begrenzt („Was kann ich allein bewirken?“). Bei gesellschaftlichen und globalen Krisen gewinnt die kollektive Wirksamkeit („Was kann ich mit anderen erreichen?“) an Wichtigkeit. Innerhalb einer Gruppe können wir zudem partizipative Wirksamkeit erleben: das Gefühl, ein wertvoller Teil der Gemeinschaft zu sein (Fritsche/Masson 2021)
In einer Demokratie ist entscheidend, dass die Mitglieder sich nicht nur als Konsument:innen oder Trittbrettfahrer:innen demokratischer Institutionen verstehen, sondern eine aktive Protagonist:innen-Rolle einnehmen. Demokratie verlangt Zivilcourage und Engagement über Wahlbeteiligung hinaus. Dafür braucht es ein Verantwortungsgefühl, das über unseren unmittelbaren Nahbereich hinausreicht. Wichtig ist, auch kleine Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, z.B. in den verschiedenen Rollen, die wir innehaben (z.B. als Konsument:in oder als Elternteil). Unsere Kräfte, etwas zu bewegen, sind oft größer, als wir annehmen: Wir beeinflussen durch unser Tun und Sprechen unsere Mitmenschen und gestalten gesellschaftliche Normen aktiv mit. Keine Handlungsoptionen innerhalb gesellschaftlicher Herausforderungen wahrzunehmen, kann sogar lebensgefährlich werden: Brailovskaia und Teismann (2023) konnten zeigen, dass die Belastung durch die Klimakrise und Suizidgedanken miteinander verbunden sind, vor allem bei Menschen die „Entrapment“ erleben, also die Wahrnehmung, dass keine Möglichkeiten existieren, einer unerträglichen Situation zu entkommen. Aber auch zu viel Gestaltungswille kann problematisch werden: Es ist bei allem wertorientierten Engagement auch wichtig, die eigenen Grenzen zu berücksichtigen: Idealismus kann in Fatalismus führen oder ins Ausbrennen, wenn wir zu viel erwarten, uns zu viel Verantwortung aufladen oder unsere eigene Selbstfürsorge ausblenden. Auch blinder Aktionismus – „irgendetwas tun“ – ist selten sinnvoll. Statt zu „kämpfen“, sollten wir uns eher nachhaltig engagieren. Gestaltungssinn beinhaltet auch das aktive Eingreifen wenn die offene Gesellschaft gefährdet ist. Wir müssen autoritären Versuchungen und populistischen Vereinfachungen widerstehen – kurz: Brandstifter:innen auch als solche brandmarken und ausgrenzen. Eine tolerante, offene Gesellschaft zu schützen, kann sich auch in Intoleranz gegen menschenfeindliche, verfassungsfeindliche Bestrebungen zeigen. Denn tolerieren wir Intoleranz, untergraben wir die offene Gesellschaft – das von Karl Popper (1977) beschriebene Paradox der Toleranz
Der Historiker Timothy Snyder (2021) betont, dass man – gerade auch um Tyranneien zu verhindern – Politik nicht nur als Meinung im Kopf oder im Internet praktizieren sollte, sondern auch körperliche Präsenz zeigen sollte, z.B. indem man mit anderen Menschen demonstriert. Wie es Gil Scott-Heron (1971) formulierte: „The revolution will not be televised“.
Wege nach Eupsychia
Maslows Utopie von Eupsychia – einer Gesellschaft psychisch gesunder und selbstverwirklichter Menschen – mag in Zeiten der Polykrise wie ein naiver Seifenblasentraum erscheinen. Doch die beschriebenen Fähigkeiten sind in uns angelegt, Diese Sinne können von uns aktiv geschärft werden. Vielleicht sind Ideale auch nicht unbedingt dazu da, vollständig erreicht zu werden. Es genügt, wenn sie uns inspirieren und motivieren, einige Schritte in Richtung Eupsychia zu unternehmen.
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